18. Juni 2008

Execute

Filed under: Kurzgeschichte — at 00:00

Titel: Execute
Autor: Namie
Rating: PG-13
Status: beendet
A/N:
Alles folgende ist ein Produkt meiner Phantasie, es ist ausgedacht, pure Fiktion. Die genannten Personen gehört selbstverständlich nur sich selber oder sind ebenfalls ausgedacht. Ich mache weder Geld damit, noch behaupte ich, irgendetwas innerhalb dieser Fic entspräche der Wahrheit. Alles meiner Phantasie entsprungen ;o)
Das Copyright der Story liegt bei mir dem Autor, sie darf nicht ohne Erlaubnis wo andres veröffentlicht oder in gedruckter Form weitergegeben werden!

Warnings: Drama, Tod, Slash, m/m
Fandom: Hauptcharakter heißt Johnny und ist angelehnt an Johnny Depp
Beta: –
Feedback: immer sehr sehr sehr gern =o)

***

In meinem Job lernt man allerhand Leute kennen, bekommt die unter schiedlichsten Schicksale mit und hat nicht selten das Gefühl als müsse man etwas tun um den Menschen, den man da vor sich hat zu einem besseren zu machen.
Diese Beschreibung könnte auf die unterschiedlichsten Berufe zutreffen, zu meinem passt sie auch. Ich arbeite in einer Strafvollzugsanstalt, in einem Jugendgefängnis, in meiner Abteilung sind die richtig schweren Jungs. Wissen sie was die Death Row ist, die meisten, da bin ich mir sicher, wollen das auch gar nicht so genau wissen, und schon gar nicht erst dort hin, aber ich arbeite hier und ich habe jeden Tag mit den Jugendlichen zu tun die bald ihren letzten Gang machen werden.

Grauenvoll, wieso macht einer einen solchen Job? Und wieso schreibt er dann auch noch darüber? Sicher, ich könnte mir es auch verkneifen darüber zu reden, aber ich wollte denen, die immer sagen, „Ja das geschieht diesen Verbrechern recht“, einmal erzählen wie grausam das sein kann.

Bei meiner Arbeit, die ich inzwischen aufgegeben habe, oder aufgeben musste, warum erfahren sie noch zu einem späteren Zeitpunkt, lernte ich einen Jungen kennen, der nicht in diesen Zellentrakt passte. Das stellte ich fest, als ich ihn das erste Mal sah.
Johnny war so ganz anders, als ich in seine Zelle kam, um mit ihm zu reden, war meine erste Frage, was er denn getan hätte, das er jetzt hier säße: „Ich weiß es nicht!“, sagte er patzig. Die Antwort an sich war es, die mich verwunderte, warum wollte er nicht zugeben was er getan hatte? Er war doch verurteilt und stritt immer noch alles ab, wozu?
„Wie, alles vergessen?“
„Ich habe es nie gewusst!“
„Ich verstehe dich nicht, du wurdest doch für etwas verurteilt und du weißt nicht mehr wozu?“
„Doch, zum Tode!“, sagte er bitter.
„Und warum?“
„Wegen Mordes!“
„Na bitte, das war meine anfängliche Frage. Wen hast du ermordet?“
„Eine Frau!“
„Warum denn?“
„Was wollen sie denn hören, hä?“
„Na die Wahrheit!“
„Die glaubt mir ja doch keiner!“
„Wenn du die Wahrheit sagst, zahlt sich das immer aus, also.“
„Ich habe die Frau gar nicht ermordet, ich kannte sie nicht mal, hatte sie nie gesehen und wundere mich noch heute warum mich ihre Schwester unbeirrt gesehen haben will!“
Verflixt, er schien mir ein intelligenter Junge zu sein, was machte er hier? Vielleicht war er ein kalter, berechnender Mörder, aber mit solchen Leuten hatte ich es ja täglich zu tun. Johnny war ganz anders. Ich hatte schon mit vielen jungen Männern geredet, die hier drin saßen und wahrscheinlich einen höheren IQ hatten, wie ich, da sieht man mal wieder das Intelligenz nicht verhindert einen Menschen zum Mörder werden zu lassen. Viele Mörder waren hochintelligente Menschen, ist wahrscheinlich wirklich so das genie und Wahnsinn sehr nach beieinander liegen!
„Also sagst du mir damit, das du es nicht warst, es war ein anderer, nicht wahr?!“
Er antwortete mir nicht.
„Weißt du, es sind immer die anderen! Das sagt jeder, mit dem ich hier das erste Mal spreche.“
„Klar, sehen sie, ich sag doch, mir glaubt keiner, die Geschworenen und der Richter haben es ja auch nicht getan!“

Johnny jedenfalls drückte sich für sein Alter sehr gebildet aus, ich sprach noch oft mit ihm und in den Gesprächen merkte ich das ich nicht falsch gelegen hatte. Er war klug, was er sagte klang immer wohl überlegt, aber nicht gelogen oder gespielt. Man konnte mit ihm über Literatur, über Geschichte und über Psychologie plaudern. So als wenn man mit anderen die neusten Sportergebnisse austauschte.

Johnny hatte bei den anderen Insassen nicht leicht, er ließ sich nicht auf das Leben hier ein, er spielte nicht mit. Was den anderen Jungs gewaltig gegen den Strich ging. Freunde hatte er hier keine, deshalb freute er sich, wenn er mit mir reden konnte. Feinde hatte Johnny aus den unterschiedlichsten Gründen genug. Die meisten verachteten ihn, weil er sich in der hier herrschenden Hierarchie, unter den Gefangen, nicht unterordnete. Außerdem machte Johnny kein Geheimnis daraus das er schwul war, was ihn auf der Beliebtheitsskala der anderen wieder nicht sehr steigen ließ. Jene Jungs, die sich, wegen des Frauenmangels auch mit Männern einließen, ließ Johnny abblitzen und die Männer die ihm gefallen konnten, verhauten ihn lieber.

***

Ich war auch schwul, was aber die Jungs, und auch die meisten meiner Kollegen nicht wussten. Johnny verhielt sich in all unseren Gesprächen nett und souverän mir gegenüber, er wurde nicht ausfallend, wie viele der anderen Jungen und er brach niemals ein Gespräch ab.
Mir schien es als würde Johnny regelrecht auf seine Hinrichtung warten und ich fragte mich wieso. Das fragte ich nicht nur mich, sondern auch ihn, bei unserem nächsten Gespräch:
„Ich will nur hier raus, mir doch egal auf welchem Weg.“
„Aber du sagst doch, das du es nicht warst. Hoffst du denn nicht auf ein gerechtes Urteil?“
„Nein, denn es glaubt mir keiner, so einfach ist das, die haben ihren Täter und fertig, den nächsten Fall bitte!“
„Glaubst du an Gott?“
„Nein!“
„Wo glaubst du denn, gehst du hin?“
„Ich komme wieder?“
„Wie bitte!“
„Ich glaube, das wir alle wiederkommen!“
„Wiedergeburt?“
„Ja!“
„Das ist eine Sache des Glaubens.“
„Wirst schon sehen, ich komme dich besuchen!“

Ich mochte den Jungen, wenn ich ganz ehrlich sein sollte. Deshalb forschte ich nach, ich wollte wissen ob er tatsächlich unschuldig war, wie er es immer behauptete. Vielleicht gab es in diesem Fall ein Happy end…

Ich hatte den Fall in seine Einzelteile zerlegt und das Puzzle gab so langsam ein Bild. In meinen Büro machte ich gerade wichtige Notizen, als einer meiner Kollegen hinein kam.
„Aaron, du wirst im execute erwartet!“, das war der Raum, wo das stattfand, was der Name schon sagt.
„Warum? Was soll ich da?“
„Er hat gesagt, du solltest bei ihm sein!“
Ich ging mit zitternden Knien durch den langen Gang, noch nie hatte ich vor dem was mich hinter der Tür erwartet, so einen Angst. Ich hatte Johnnys Termin noch nicht erfahren, aber er war es bestimmt nicht, unmöglich dachte ich noch, als ich gegen die Tür klopfte, es war noch viel zu früh.
„Wer da?“, wurde ich durch die Tür gefragt.
„Aaron Bley!“

Ich wurde hinein gelassen und ging dann in den Raum mit der Liege und was ich dort sah hätte mir beinah den Boden unter den Füßen wegge rissen. All meine schrecklichsten Vermutungen hatten sich bestätigt. Ich ging langsam zu ihm hin und sagte leise: „Du wolltest mich sprechen?!“
„Ich wollte dir nur sagen, das ich es nicht gewesen bin!“, meistens kam an dieser Stelle, das endgültige Geständnis oder eine Entschuldigung für die Tat. Ich glaubte nun fest an Johnnys Unschuld nur würde ich sie nicht beweisen können, jetzt nicht mehr.
„Der Pfarrer war schon hier!“, sagte Johnny.
„Dabei brauchtest du keinen, was?“, sagte ich und es war das erste Mal, das ich mir in der Todeszelle die Tränen verkneifen musste. Ich nahm seine Hand und er drückte sie.
„Ich komme wieder!“
Hoffentlich genauso hübsch wie du jetzt bist, schoss es mir durch den Kopf und mir wurde plötzlich klar, was mich mit dem Jungen verband ohne das es je ausgesprochen würde.
Der Arzt begann mit der Injektion.
Johnny traten die Tränen in die Augen, ich hielt sie zurück, keiner sollte sehen was ich in diesem Moment empfand, mir wurde etwas genommen was ich zwar nie besessen hatte, aber von ganzem Herzen brauchte. Ich war wirklich noch zu jung für diesen Scheißjob, warum musste ich das durchmachen, warum? Nein verdammt, warum musste er das durchma chen?
„Vergiss nicht, ich komme zu dir!“
„Warum denn zu mir?“, brachte ich heraus.
„Da fragst du noch?“
Bis die Wirkung der Spritzen einsetzt vergehen ungefähr nur zwei Minu ten, ich blickte auf die Uhr und Johnny schloss die Augen, ich hätte schreien können.
„Ich liebe dich!“, hörte ich ihn plötzlich sagen.
Ich drehte mich um und wollte ihm antworten, ihm etwas darauf entgeg nen, da kam der Arzt herein und zog die Nadel aus seinem Arm. – Es war vorbei. Seine Hand löste sich von meiner und sank gefühllos auf die Liege.

***

Ich arbeite nicht mehr in der Strafvollzugsanstalt, ich habe auch nie mein Puzzle zusammen gesetzt, für mich währe der Schmerz noch uner träglicher gewesen, wenn ich tatsächlich herausgefunden hätte, das Johnny nie diesen Mord begangen hatte. Aber ich habe die einzelnen Puzzleteile noch alle, und wenn ich irgendwann diese Antwort brauche werde ich sie mir holen.

Keiner verstand meine Wandlung, mein plötzliches Verhalten war allen unerklärlich, weil keiner verstand das ich einen Menschen verloren hatte, der mit unendlich viel bedeutet hatte und der mir in den letzten Minuten seines Lebens mehr entgegen gebracht hatte, als andere die mich zwanzig Jahre kennen und das bis heute noch nicht geschafft haben.

Ich zog in ein kleines Häuschen, was in einem etwas ruhigeren Stadtteil lag und wollte dort erst mal mein Leben neu ordnen, als jemand in mein Leben trat, von dem ich erst gar nicht wusste wer er war.

Als ich am Morgen vor die Tür trat, stolperte ich über ein Bündel, was genau davor lag. Ich hob es auf und das Bündel begann zu schreien. Ich wickelte es auf und ein kleiner Säugling kam zum Vorschein. Donner wetter, das gab es doch nicht.

Ich fuhr zum Krankenhaus und erfuhr das der Junge dort entbunden worden war, aber niemand wusste, wer die Mutter war und keiner konnte mir sagen wo ich den Jungen nun hingeben sollte.
„Sie könnten ihn behalten!“
„Aber nein, was soll ich denn mit einem Kind!“
„Hier sind seine Unterlagen!“
Er hatte nicht mal einen Namen, was war denn das für eine Rabenmutter gewe sen?
Er war am 31. 06. geboren worden. Oh Gott, dann war er, ich musste mich setzten, logischerweise vor genau neun Monaten, am 31. September des letzten Jahres, gezeugt worden. Genau an dem Tag, an dem Johnnys Hinrichtung stattgefunden hatte, ich werde das Datum nie vergessen, dazu erinnere ich mich viel zu oft daran.
Mein Blick viel auf die genaue Zeit der Geburt und es war, eine Minute nachdem Johnny im letzten Jahr die Augen geschlossen hatte. War das alles ein Zufall?

Die Schwester kam zu mir und sagte: „Wollen sie das Kind nun hier lassen, wir werden Eltern suchen?!“
„Nein, ich behalte ihn! Darf ich einen Namen in die Geburtsurkunde eintragen lassen?“
„Aber ja!“
„Wo kann ich das machen lassen?“
„Das kann ich gleich machen! Wie soll er denn heißen?“

Und sie schrieb in feiner Schrift: Johnny

Er war genauso hübsch und ich war mir sicher ich würde keine Antwort mehr brauchen!
Vielleicht würde er sie mir ja noch selbst sagen können…

~~ Ende ~~

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